U-2540 "Wilhelm Bauer" - Museumsschiff in Bremerhaven

U-2540 wurde am 24. Februar 1945 in Dienst gestellt, nahm aber nicht mehr an Kriegshandlungen teil. Auf das Codewort "Regenbogen" hin wurde das Unterseeboot 04. Mai 1945 unter seinem Kommandanten Oblt. Rudolf Schulze in Der Flensburger Förde von der eigenen Mannschaft versenkt - Deutschland hatte den Krieg verloren!

Doch die Geschichte dieses Unterseebootes sollte hier nicht enden: Im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung hob die hamburger Bergungsfirma Beckedorf im Sommer 1956 zwei versenkte U-Boote des Typs XXIII. Diese Boote wurden wiederhergestellt und blieben als Schulungsboote HAI und HECHT bis 1968 im Dienste der Bundeswehr. Ziel war es im Rahmen der neuen Mitgliedschaft im Nordatlantikpakt (NATO) auch neue U-Boote für die Nord- und Ostsee zu konstruieren.
Bereits vor der Fertigstellung der ersten Boote sollte aber mit der Ausbildung der Besatzungen begonnen werden, hierfür benötigte man die gehobenen Unterseeboote. 1957 wurde auch das Typ XXI Unterseeboot 2540 gehoben und bei den Kieler Howaldtswerken wiederhergerichtet.
U-2540 wurde umbenannt in  "Wilhelm Bauer"/ Nato-Kennzeichnung " Y 880 " (sein Namenspate gilt als der erste deutsche U-Boot-Konstrukteur mit seinem 8 m langen, 2 m breiten und 3,7 m hohen "Brandtaucher" 1851 in Kiel konstruiert.) und ab dem 1. September 1960 dem Schiffserprobungskommando der Bundesmarine in Kiel unterstellt. Von 1970 bis 1980 war das Boot der Erprobungsstelle 71 in Eckernförde unterstellt. Am 15. Dezember 1982 wurde das Unterseeboot endgültig außer Dienst gestellt. Auch wenn es nie in Kampfhandlungen verwickelt war, so hatte es doch eine äußerst spannende Geschichte durchlebt!

1984 schließlich ging U-2540 als Museumsboot im Bremerhaven vor Anker.

U-2540 ist heute das letzte noch existierende Boot vom Typ XXI. Der Typ XXI war eine der letzten Weiterentwicklungen der U-Boote im Krieg und und zu dieser Zeit geradezu revolutionär. Vor dem Kriegsende wurden noch 123 Schiffe fertig- und hiervon 119 in Dienst gestellt.
Nach der Kiellegung am 20. Oktober 1944 in Hamburg bei Blohm & Voss erfolgte am 13. Januar 1945 die Indienststellung - Zu spät um zu diesem Zeitpunkt noch wirksam in das Kriegsgeschehen eingreifen zu können.
Besonderes Merkmal dieses neuen Typs war nicht nur seine Größe, sondern auch seine Fähigkeit, mit wesentlich stärkeren Batterien und einem weiterentwickelten "Schnorchel" zur Luftversorgung während der Tauchfahrt bedeutend länger als vorher unter Wasser bleiben und dadurch auch besser verborgen und geschützt operieren zu können.
Seit 1943 waren die deutschen U-Boote vor allem durch verbesserte Ortungsgeräte an Bord (Sonar/Asdic) und aus der Luft (Radar) so stark gefährdet, dass sie immer seltener auf Torpedo-Schussweite an ihre Ziele herankommen konnten. Als weitere Vorteile kamen bei diesem Typ hinzu, die höhere Geschwindigkeit auch unter Wasser nutzen zu können (die maximale Geschwindigkeit im getauchten Zustand mit Schnorchel lag bei immerhin 18 Knoten!) und der erheblich größere Aktionsradius von bis zu 15.500 Seemeilen.

Während die U-Boote bis dahin nur vorübergehend tauchende Fahrzeuge waren, handelte es sich bei diesem Typ erstmalig um ein echtes Unterwasserschiffe. Die maximale Tauchtiefe lag bei 220 Meter. Das Schiff war auch für längere Verfolgungen von Gegnern unter der Wasseroberfläche geschaffen. Die 58 Mann starke Besatzung hatte weniger mit der gnadenlosen Enge zu kämpfen als bei den Vorgängermodellen. Dank der höheren Geschwindigkeit wurde auch das Einsatzgebiet schneller erreicht und es konnte dann länger dort operiert werden.
Um bei der sich immer weiter verschlechternden militärischen Lage Deutschlands 1943 den neuen U-Boot-Typ möglichst schnell und in großer Zahl zum Einsatz bringen zu können, wurden für die Serienfertigung schon fast fließbandähnliche Produktionsverfahren neu entwickelt. Die acht bis 250 t schweren Sektionen der Boote wurden von 33 Betrieben bis weit ins Binnenland gebaut und dann bei drei Großwerften an der Küste montiert. Dadurch konnte die Bauzeit eines Bootes von früher mindestens 22 auf nur noch rund 9 (!) Monaten verkürzt werden.
In der Praxis konnten diese Zeiten dann aber, vor allem wegen der Beeinträchtigungen durch Luftangriffe und Transportprobleme, nicht eingehalten werden. Auch blieben erhebliche "Kinderkrankheiten" bei vielen technischen Neuerungen nicht aus und mussten erst behoben werden.

Zusammen mit der ebenso wichtigen sorgfältigen Ausbildung der Besatzungen (erfahrene U-Bootleute gab es immer weniger, da der Seekrieg längst zu Gunsten der Engländer und Amerikaner verlief) führte dies schließlich dazu, dass die ersten Boote gut drei Monate später einsatzbereit waren als vorgesehen.
Lediglich U 2511 - unter Korvettenkapitän Schnee - konnte noch am 30.04.1945 zur ersten und einzigen Feindfahrt auslaufen, auf der bei einem von britischen Kriegsschiffen unbemerkten Zusammentreffen die vorzüglichen Eigenschaften des neuen Typs bestätigt wurden. Es verwundert kaum, dass dieser überlegene Unterseeboottyp von den Siegermächten nach 1945 sofort aufgegriffen und zum Teil als Vorbild für ihre Nachkriegsentwicklungen genutzt wurden. Die erbeuteten Schiffe blieben bei ihnen teilweise bis in die 70er Jahre im aktiven Dienst!

Typ XXI

Länge:  76,7 m
Breite: 6,6 m
Druckkörper: 5,3 - 3,5 m Durchmesser
Plattenstärke:  26 mm
Seitenhöhe:  7,7 - 11,3 m
Tiefgang:  6,3 - 6,9 m
Verdrängung: 1612 t über Wasser / 1819 t getaucht
Antrieb: Zwei MAN-Diesel je 2000 PS / Zwei E-Maschinen je 2500 PS / Zwei Schleich-Motoren je 113 PS
Geschwindigkeit:  15,6 kn über Wasser / 18,1 kn unter Wasser / 6,1 kn Schleichfahrt
Besatzung: 58 Mann
Bewaffnung: 6 Torpedorohre, 20 Torpedos, zwei 2 cm-Doppellafetten (Flak)

-------------------------

U-Boot Wilhelm Bauer - Nato-Nr. Y 880 (ex U 2540)

Bauwerft: Blohm & Voss, Hamburg 1944/45
Instandsetzung: Howaldtswerke Kiel, 1958-1960
Antriebsanlage: MAN-Dieselmaschine mit 4000 PS, zwei Propeller, Elektromotor 520 PS
Geschwindigkeit: 15,5 / 17,5 kn
Reichweite: 11000 sm bei 12 kn
Bewaffnung: Vier TR-533B
Besatzung: 57 

Das Museumsschiff Wilhelm Bauer kann man im Bremerhaven, direkt vor dem Schifffahrtsmuseum besichtigen!

 

Back