
Die Nordsee
Die Nordsee erstreckt sich, ein wenig "abgetrennt" vom
Atlantischen Ozean durch die Britischen Inseln, von der Deutschen Bucht hinauf
nach Südnorwegen, der Nordspitze Schottlands und den Orkney-, Shettland- und
Faroer-Inseln und westlich zu den Britischen Inseln. Südlich nur durch den
Englischen Kanal zu verlassen. Durch den Skagerrak im Norden, zwischen Dänemark und
Norwegen wird ferner die gesamte Ostsee mit Meerwasser gespeist!
Für die anliegenden
Staaten Deutschland, Dänemark, Holland,
Belgien, England, Schottland und Norwegen ist die Nordsee von größter
Bedeutung, sowohl wirtschaftlich, als ökologisch.
Die Nordsee ist auch für viele ein beliebtes
Erholungsgebiet, sowie für andere ein gefährlicher Arbeitsplatz. Sie kann Schiffe verschlucken und
Deiche einreißen, oder aber ruhig und friedlich wie ein Teich ruhen. Die Menschen mussten sich nach ihr richten seit sie hier leben - meistens lebten sie
auch von ihr (direkt, oder indirekt) und manchmal starben sie in ihr! "Nordsee
ist Mordsee" heißt es auch im Norddeutschen Volksmund und das ist wohl eine
eindeutige Aussage was die Berechenbarkeit, bzw. Tücke dieses Gewässers betrifft!

Die Abbildungen zeigen die verschiedenen Regionen der
Nordsee und die Tiefenverteilung. Wie hier zu sehen ist, ist die Nordsee
im Schnitt nicht sehr tief. Erst entlang der norwegischen Küste und hinüber nach
Schottland findet man mehrere hundert Meter Wassertiefe. Das "Deviles hole" ist
mit knapp 240 Metern zuvor der mit Abstand tiefste Bereich. In der Deutschen
Bucht ist es keine 50 meter tief und auf der großen Doggerbank, mitten in der
Nordsee, beträgt die geringste Tiefe gerade einmal 15 Meter!
Um dies verstehen zu können muss man wissen das die Nordsee,
ebenso
wie die Ostsee auch, ein Schelfmeer ist. Es handelt sich also nicht um ein
"echtes" Meer, sondern streng genommen um überschwemmtes Festland (siehe hierzu
auch "Geschichte der Nordsee")!

Von Deutschland, England und Holland münden einige große Flüsse in die Nordsee und tragen Nähr- und Giftstoffe, Sediment und natürlich Süßwasser ein. Gleiches geschieht auch zudem auch über den Wasseraustausch mit der Ostsee. Im Mündungsbereich der Flüsse ist die Unterwassersicht meistens sehr schlecht und der Meeresboden besteht aus weichem Sedimentschlamm. Die Deutsche Bucht ist somit stark durch Elbe, Weser und Ems geprägt. Glücklicherweise ist der Wasseraustausch mit dem Atlantik aber ziemlich groß und findet recht schnell statt (das Ganze muss man allerdings dennoch relativ und verglichen mit der Ostsee betrachten, da es vor der deutschen Küste trotzdem noch satte 30 bis 40 Monate dauern kann bis sich das Wasser vollständig ausgetauscht hat)!

In Deutschland verbinden wir mit der Nordsee
erst einmal das Wattenmeer, jenen Küstenbereich, der zweimal täglich trocken
fällt und dann erneut überspült wird. Verantwortlich hierfür sind die Gezeiten
und die haben es in der Nordsee in sich!
Bedingt durch die Lage der Britischen Inseln kann das Wasser nicht fließen und
strömen wie es eigentlich möchte, oder besser gesagt wie es die kosmischen
Gestirne ihm befehlen. Es muss sich durch den schmalen Englischen Kanal pressen,
oder vom Norden her vordringen, vorbei an Schottland. Die Strömungen sind
entsprechend heftig!
Das Wattenmeer erstreckt sich von der
holländischen Küste südwestlich, nordöstlich hinauf bis knapp zur Hälfte der dänischen
Halbinsel Jütland und bestimmt
das Leben von Mensch und Tier in diesem Küstenbereich. Von einem Hochwasser zum
nächsten vergehen dabei 12 Stunden und 25 Minuten. Bei Ebbe können viele der
kleineren Häfen nicht angelaufen werden und die Fischer müssen auf See verharren
- ein Blick in die Wrackdatenbank auf dieser
Seite zeigt zudem das viele Kutter und Logger nie den Weg in
den Hafen zurück fanden und heute auf dem Meeresgrund liegen.
Auf der anderen Seite wird das Wattenmeer auch als "Kinderstube der Nordsee" bezeichnet
und besonders Jungfischen, Bodenorganismen Seehunde, Kegelrobben, Krebstiere
(z.B. die beliebte "Nordseekrabbe", auch "Granat" genannt) und unzählige Vögel (besonders
Zugvögel) leben hier.



Entlang der britischen und norwegischen Felsküste bietet sich hingegen ein völlig anderes Bild, man möchte kaum glauben das es sich auch hier um die Nordsee handelt: Das Wasser ist viel klarer, da der Boden felsig ist und weit weniger Sediment eingetragen wird. Die Gezeiten sind zwar deutlich spürbar, legen aber kaum den Meeresgrund bei Ebbe großflächig frei......eine gänzlich andere Landschaft - sowohl unter, als auch oberhalb der Wasseroberfläche.
Die Nordsee lässt sich kaum in so wenigen Absätzen beschreiben. Sie gibt Leben und sie nimmt es, sie bringt Verzweiflung und Erholung, mal ruht sie und mal tobt sie. Wenn man sie mit Menschlichen Charakterzügen beschreiben wollte, würde es wohl eines am treffensten beschreiben: launisch!






