
Nachts im Baggersee
Wenn abends die meisten Taucher den See verlassen, beginnt für viele Tiere gerade erst der Tag! Eine Welt in der die Dunkelheit Schutz bietet, aber auch den spezialisierten Jäger zum Erfolg führt, erwacht. Viele Fische, Krebse und andere Bewohner unserer heimischen Baggerseen sind nun voll in ihrem Element und was uns Tauchern meistens verborgen bleibt nimmt erneut seinen täglichen Lauf.


Besonders die Aale, welche am
Tage in ihren Höhlen versteckt auf den Einbruch der Nacht gewartet haben, gehen
nun auf die Pirsch. Ihr perfekt ausgeprägter Geruchssinn hilft ihnen dabei sich
ihrer Beute zu nähern. Meistens sind es kleine Barsche und Weißfische, die ruhend
auf dem Sand- oder Schlammboden liegen. Waren diese Fische am Tage noch
unerreichbar für den Aal, als sie in Schwärmen nach Larven, Wasserflöhen und
anderen Kleinstlebewesen im Freiwasser jagten, so liegen sie nun einzeln
verteilt auf dem Grund und sind weitestgehend orientierungslos. Sie liegen dort
regungslos und hoffen das sie die Nacht überstehen, doch jede Nacht ist genau
dies einigen Fischen nicht vergönnt!
Auch die amerikanischen
Flusskrebse gehen nun auf Wanderschaft, zwar sieht man sie gelegentlich auch
tagsüber, aber nachts sind es normalerweise doch deutlich mehr. Für sie bringt
die Nacht Schutz vor Fressfeinden, wie z.B. den großen
Barschen. Sie könnten ansonsten ebenso gut tagsüber auf Beutesuche gehen, denn
sie ernähren sich von Aas und lebenden und toten Bodenorganismen.


Auch der Zander ist ein
Nachtjäger, die großen, glasigen Augen lassen es erahnen. Sie orientieren sich
nach dem Geruch, können aber mit ihren hochempfindlichen Augen auch das geringe
Restlicht zur optischen Orientierung nutzen.
Eine weitere Methode der
Orientierung und Jagd zeigt uns der Wels (auch Waller genannt). Er tastet sich
buchstäblich durch die Finsternis, seine langen Barteln am Kopf befähigen ihn
hierzu. Die Augen wirken klein und verkümmert, ähnlich wie beim Aal. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Körpergröße (viele Tiere sind zwischen
einem und zwei Meter lang, in Süd- und Osteuropa sollen sie sogar oft die
Dreimetermarke erreichen!) und seiner enormen Gefräßigkeit macht er auch vor
großen Hechten und Karpfen nicht Halt und eine seiner Lieblingsspeisen sollen
Aale sein.


Ein Nachttauchgang,
egal ob im Salz- oder Süßwasser verspricht immer ein ganz besonderes Erlebnis zu werden. Das mag
natürlich aufgrund des unterschiedlichen Fisch- und Artenreichtums von See zu
See, bzw. Gewässer zu Gewässer variieren, grundsätzlich allerdings muss ich sagen, dass ich praktisch noch
nie wirklich enttäuscht war wenn ich mich aufgerafft habe und in der Dunkelheit
tauchen gegangen bin!
Möchte man fotografieren ist
nun ebenfalls die richtige Zeit dafür. Jedoch benötigt man entweder ein
Pilotlicht an der Kamera, oder ein Tauchpartner muss das Objekt weich
ausleuchten, sonst bleibt es schwarz im Sucher und Autofokus-Kameras sind auch
mit eingebautem Hilfslicht überfordert.
In meinem Hausgewässer tauche
ich manchmal mit sehr wenig Licht. Lediglich eine kleine Batterielampe begleitet mich
wenn ich auf Fotopirsch gehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Lampe
mit 50 Watt (oder noch mehr) einige Fische zwar so blendet das sie auf der
Stelle verweilen, die meisten aber werden die Flucht ergreifen bevor man nahe
genug an sie heran gekommen ist und die notwendigen Einstellungen an der Kamera
vornehmen konnte.
Taucht man mit wenig Licht,
so wird man vermutlich mengenmäßig weniger Fisch sehen als der Kollege mit der
künstlichen Sonne. Dies finde ich allerdings eher nebensächlich, denn viel
interessanter ist es mit den Tieren auf Tuchfühlungen zu gehen, sowie interessante
Details und Verhaltensweisen zu entdecken.


Ich kann mich an einen
Tauchgang erinnern bei dem ich einen Aal von etwa 50 bis 60 Zentimetern Länge
begleitet habe. Nach wenigen Minuten hatte ich bereits das Gefühl das ihn meine
Anwesenheit kaum störte und so schlängelte er sich langsam über den weichen
Grund und bohrte hin und wieder plötzlich den Kopf in den Schlamm um nach einem
dort vermuteten Leckerbissen zu schnappen. Der Seeboden war aber auch über und
über mit etwa fingerlangen Barschen bedeckt. Diese flüchteten als der Aal
und ich uns auf sie zu bewegten und so wechselte der Räuber die Strategie und
nutze das Licht meiner Lampe im Rücken, um auf Sicht zu jagen. Ich vermute das
Aale dies eher selten tun, da sonst die Augen sicherlich größer wären.
Allerdings mangelt es ihnen offensichtlich weder an Intelligenz, noch an
Anpassungsfähigkeit. So kam es also zu einer Art Kooperation zu Ungunsten der
Barsche, für mich war es jedoch einer der interessantesten Nachttauchgänge
überhaupt!
Ich habe auch beobachtet das
Hechte und Barsche die ungewöhnliche Gunst des künstlichen Lichts nutzen um sich
auf die Beute rings um sie herum zu stürzen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist
Hemmoor, wo man oft direkt beim Einstieg von großen Barschen "in Empfang
genommen wird". Sie begleiten den Taucher dann und jagen nach Plötzen und
anderen Fischen, die man ohne böse Absicht anleuchtet. Regelrecht lästig wird
dies wenn man die Beutefische fotografieren will, noch bevor man den Auslöser
drücken kann aber lediglich noch eine kleine Schlammwolke und einige lose
Schuppen von dem Motiv übrig geblieben sind!


Ich möchte abschließend noch einige Vorschläge machen was man MEINER MEINUNG NACH beachten sollte:
Man sollte nur in vertrauten Gewässern, möglichst ohne Schiffsverkehr
tauchen.
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einer kleinen Lampe, die man seitlich
an der Maske montiert, gemacht (Hersteller z.B. UK-Light). So hat man immer
etwas Licht dort wo man hinschaut, besonders auf den Instrumenten!
Wenn man mit weniger Licht taucht sieht man unter Umständen mehr, jedoch
ist dies für einige Menschen möglicherweise eine zusätzliche Belastung (Angst).
Angler gehen auch nachts ihrem Hobby nach und besonders wenn man mir
wenig Licht taucht sollte man so gut wie möglich sicherstellen das man nicht in
Haken und Angelschnüre gerät. Im Zweifelsfall sollte man in entsprechenden
Gewässern eine Schleppboje mit
Blitzer verwenden!
Man sollte sich am meisten auf dem flachen und sehr flachen Bereich
konzentrieren. Tiefer als 10 Meter wird man meistens kaum noch Fische finden. In
einem bis sechs Metern wird man häufig das meiste Leben finden! Man sollte daran
denken genügend Blei für einen solchen Flachtauchgang einzupacken.
Die üblichen Vorbereitungsschritte und Sicherheitsmaßnahmen werden hier natürlich nicht extra erwähnt, dies lernt man (hoffentlich) bei einer entsprechenden Ausbildung. Außerdem erfordert jedes Gewässer natürlich seine individuellen Sicherheitsvorkehrungen und vorbereitende Maßnahmen, die den örtlich Besonderheiten und Vorschriften angepasst sind. Natürlich muss man sich vor dem Nachttauchgang auch informieren ob dies in dem Gewässer der Wahl auch erlaubt ist. In manchen Seen, in denen tagsüber getaucht werden darf, ist es nämlich nachts verboten!

