
BACK TO THE ROOTS
Text Sven Gust 2005 / Fotos: Peter, Helmut, Sven
Die Zeiten der Erschließung des Roten Meeres sind lange vorbei. Die einfachen Camps und Zeltlager sind modernen Bettenburgen gewichen und die Taucherei ist zur touristischen Massenabfertigung geworden. Leider ist das Realität im heutigen Ägypten – es gibt aber noch Ausnahmen, wie das Beachsafari-Camp nördlich von Marsa Alam in Südägypten beweist!
Günstig sollte es sein, vernünftige Tauchplätze bieten und
ich wollte keinesfalls in einem dieser unpersönlichen Bettenbunker landen. Nicht
so einfach da etwas zu finden, denn klein bedeutet allgemein individuell und das
scheint heutzutage automatisch teuer zu sein.
Als ich schon fast aufgeben wollte bekam ich einen Hinweis
von einem Bekannten: „Schau doch mal unter diesem Link. War dort im letzten
Jahr. Ordentliche Tauchplätze, günstig, Unterkunft und Verpflegung gut!“ Etwa 30
Minuten stöberte ich auf der Seite des Beachsafari-Camps, schaute mir Bilder und
Filmausschnitte an, dann war meine Entscheidung gefallen!

Links: Der Flug über die Alpen im Winter bei bestem Wetter ist schon ein spannendes Erlebnis. Rechts: Nicht weniger interessant ist dieser Kuhreiher, welcher Zuflucht auf unserem Esstisch suchte. Zuvor war eine Gruppe dieser Vögel über dem Camp von Adlern (?) angegriffen worden - hierbei regnete es wahrsten Sinne des Wortes Blut!
Am frühen Nachmittag des 10. Januars landete die Maschine
der Condor auf dem Flughafen von Marsa Alam. Ein Kleinbus erwartete meinen
mitreisenden Tauchpartner und mich, sowie vier andere Gäste des Camps bereits. Die Spannung
stieg auf der halbstündigen Fahrt nach Süden. Was hatten wir zu erwarten? Konnte
man für diesen günstigen Preis wirklich alles erwarten was auf der Internetseite
versprochen wurde?
Um schneller zum Wesentlichen, nämlich dem Tauchen, kommen
zu können kürze ich an dieser Stelle den Bericht etwas und sage (schreibe) nur
das im Laufe der ersten beiden Tage alle Zweifel und Unsicherheiten entkräftet
wurden! Der Bungalow war schlicht, aber sehr sauber und funktional und das Essen
schmackhaft, abwechslungsreich und, nun im (durchfallfreien) Nachhinein kann ich
es ja mit Sicherheit sagen, hygienisch einwandfrei.
Der Leiter des Camps war leider gerade auf der BOOT in
Düsseldorf, aber sein Stellvertreter prüfte recht eingehend die Brevets und
ärztlichen Papiere der Neuankömmlinge. Leihausrüstungen wurden von einigen
gemietet. Für 20 bis 25€ pro Tag gab es recht komplettes und scheinbar gut
gepflegtes Equipment. Allgemein wurde ein kleiner Obolus als Versicherung, für
die nur wenige Kilometer entfernt gelegene Druckkammer kassiert und man musste
die üblichen Ausschlusserklärungen unterschreiben.
Beim Abendessen lernten wird dann die anderen Gäste kennen.
Sie kamen aus Deutschland, der Schweiz, Schweden, Holland, Polen und Ägypten
selbst. Eine bunte Mischung, zumeist reine Urlaubstaucher.
Am nächsten Morgen ging es dann los! Da Wind und Welle den
Einstieg am Hausriff beim Camp unmöglich machten fuhren wir zu einer seichten
und geschützten Bucht, nur gute fünf Autominuten südlich gelegen. Hier ist der Ein-
und Ausstieg auch für absolute Anfänger kein Problem und der Sandboden fällt entlang der
Riffkante nur sehr langsam ab. Bereits im stehtiefen Wasser begrüßte uns ein
Fülle an Farben und Formen: quirlige Doktorfische, elegante Flötenfische,
hektische Barben bei der Futtersuche im Sand, ein perfekt getarnter Plattfisch
flüchtete direkt vor mir in einer Staubwolke,....... ein Rausch aus Licht, Farben
und Leben. Langsam ging es tiefer, die Wassertemperatur betrug 22°C. Der
halbtrockene 7mm Anzug war für mein Empfinden perfekt in dieser Jahreszeit,
Handschuhe benötigte man nicht, eine Kopfhaube war aber sinnvoll um Auskühlung
bei längeren Tauchgängen zu vermeiden.
Auffällig an diesem Platz war die große Anzahl von
Blaupunktrochen und verschiedenen Kugelfischen. Auch Rotfeuerfische, Barsche,
Makrelen, Korallenwächter und viele andere Fische sah man in großen Mengen.
Einige Tage zuvor sichteten Taucher aus dem Camp hier einen Delfin und
Schildkröten bekamen wir im Schnitt sogar bei etwa jedem dritten bis vierten
Tauchgang zu sehen, ebenso Muränen. Haie gibt es in den Buchten eher selten,
allerdings streifen große Barrakudas bis in die flachen Zonen auf der Suche
nach Beute. Viele Arten von Korallen finden sich hier dicht nebeneinander.
Weiter nördlich im Lande wird man wohl kaum einen Landtauchplatz in so perfektem
Zustand finden, doch hier im Süden ist es noch glücklicherweise nicht so
ungewöhnlich (ich
vermute mal das sich dies aber wohl auch schnell ändert, wenn ich so die
etlichen Hotels im Bau bedenke, die ich hier gesehen habe)!


Alltag im Camp
Ein gewisser Rhythmus hatte sich wenige Tage später
eingespielt: Zusammen mit einigen anderen unerschrockenen Tauchern traf ich mich um halb sieben morgens zum ersten Tauchgang am Hausriff, anschließend
frühstückten alle gemeinsam und um halb zehn starteten wir zu einem der vielen
Tauchplätze im Umkreis von etwa 30 Autominuten. Etwa um drei Uhr, zurück im
Camp, gab es eine warme Mahlzeit. In den Wintermonaten ist es dann meistens zu
spät für einen weiteren Tauchgang (ausgenommen Nachttauchgang), da es bereits um
fünf Uhr schlagartig dunkel wird!
So kamen wir täglich auf drei bis vier Tauchgänge, was in meinen
Augen auch ideal war. Natürlich sollten die meisten Tauchgänge flach ausfallen,
um gesundheitliche Risiken bei der großen Anzahl der Tauchgänge mit Luft zu
minimieren! Am meisten Leben lässt sich ohnehin in den oberen 15 Metern
beobachten, warum also tiefer wenn es nicht gerade einen guten Grund dafür gibt?
Abends traf man sich dann noch auf ein Bier und tauschte
sich über den Tag aus, oder schmiedete bereits Pläne wo morgen getaucht werden
könnte (die erfahrenen Guides haben natürlich immer das letzte Wort!).
Warum in die Ferne schweifen, .......? Dieser Satz besitzt auch hier Gültigkeit, denn mein absoluter Lieblingstauchplatz wurde schnell das Hausriff direkt vor dem Camp. Leider muss aber gleich auch gesagt werden das es für unerfahrene Taucher ziemlich ungeeignet ist, da Ein- und Ausstieg etwas taucherische Routine erfordern und auch immer mit Strömungen zu rechnen ist. Taucher die etwas unsicher sind sollten auf diesen Tauchplatz verzichten (es gibt ja in der Umgebung so viele seichte Buchten!), oder nur mit sehr routinierten Tauchern hier ins Wasser gehen!
Wenn die Wellen nicht zu hoch sind, wartet man an der Kante
des Riffdachs auf einen günstigen Augenblick und „hüpft“ dann schnell einige
Schritte vorwärts, taucht ab und zieht sich in etwa drei bis vier Metern Tiefe die
Flossen an, welche man bis dahin fest in der Hand gehalten hat. So schaukelt es
am wenigsten, man droht nicht sofort wieder auf die scharfkantigen Korallen auf
dem Riffdach gespült zu werden und mit etwas Übung ist das nicht so schlimm wie
es vielleicht klingt (ich muss gestehen auch ziemlich unsicher vor dem ersten
Tauchgang hier gewesen zu sein!).
Hat man es dann geschafft wird man mit einem wunderbaren
Tauchgang belohnt, der nach Norden und auch nach Süden führen kann. Ziel und
Ausstieg sind drei Kanäle, die in das Riffdach einschneiden und es ermöglichen
außerhalb der Brandungszone wieder aus dem Wasser zu gelangen. Wegen der extrem
starken Strömung in den „Channels“ muss man sich oft an gespannten Seilen
hangeln (hier können dünne Handschuhe angebracht sein!).
Die Tauchgänge am Riff sind eigentlich schon allein einen
umfangreichen Bericht wert, hier nur soviel: Wir konnten hier praktisch alles
sehen was man sich wünscht! Schildkröten, Barrakudas, Muränen, Tunfische,
Riffhaie, große Zackenbarsche, Milchfische und einmal sogar einen Delfin, der
vollkommen gelassen dicht an uns vorbei schwamm!
Die Morgentauchgänge waren besonders faszinierend, ging man
doch kurz nach Sonnenaufgang ins Wasser und erlebte das erwachende Leben und die
ständige Veränderung des Lichts hautnah mit!


Plötzlich war es dann auch schon vorbei. Ich kann nur von
Glück sagen das ich nicht nur eine Woche im Camp war, denn die Zeit reicht bei
einem Erstbesuch lange nicht aus!
Nach 13 Tauchtagen hatte ich genau 40 Tauchgänge geloggt,
trotzdem wurde es bis zum Schluss nicht langweilig und ich hätte noch gut eine
Woche länger bleiben können. Die tröstenden Gedanken an ein warme Dusche und ein
Stück Schwarzbrot mit Schinken waren ein kleiner Trost, wichtiger noch war aber
der sichere Entschluss wiederzukommen!
Ich möchte besonders etwas fortgeschritteneren Tauchern,
die mehr Wert auf gutes Tauchen und eine familiäre Atmosphäre legen als auf
übertriebenen Luxus, dieses Camp empfehlen. Man sollte etwas Anpassung zeigen
können und sich ruhig zwei Wochen Zeit nehmen! Für Nichttaucher ist die Anlage
nicht ideal, außer sie suchen einmal wirkliche Ruhe und Entspannung, oder
möchten Schnorcheln.
Weiterhin wichtig ist die Tatsache das man sich auch in den
Zelten keine Sorgen um Wertgegenstände machen muss! Ein weiterer Vorteil dieses
„Familienbetriebs“, den ich nicht unerheblich finde (ich muss zugeben im Vorfeld
etwas sorge um Notebook, Kamera-Ausrüstung und Bargeld gehabt zu haben).

Das Camp in Stichworten und Zahlen (Stand Januar 2005):
28 Plätze in den Häusern (jeweils 2 Betten pro Bungalow).
20 Plätze in Zeltunterkünften.
Flaschen: 12 Liter Aluminium
(kein Nitrox verfügbar).
Leihausrüstung (20-25€/Tag komplett, anteilig entsprechend günstiger)
vorhanden. Die Ausrüstung befand sich optisch in einem guten, gepflegtem
Zustand.
Strom: 220V (an dem meisten Anschlüssen kein Adapter notwendig) von ca.
17 bis 24 Uhr vorhanden.
Bekleidung: Im Winter auch ruhig einige dicke Pullover und eine warme
Mütze, es wird kalt abends!
Verpflegung: 3 Mahlzeiten (2 warm), abwechslungsreich und schmackhaft und
scheinbar hygienisch einwandfrei, da niemand an den sonst leider
ägyptentypischen Durchfallerkrankungen litt!
Getränke: Cola und Wasser frei, Bier (0,5 Liter) 3€.
Weitere Kosten:
Fallen kaum an, jedoch sollte man unbedingt
Bargeld in nicht zu großer Stückelung ausreichend mitnehmen. Im Camp ist
Kartenzahlung NICHT möglich und Geldautomaten können nur mit erheblichem Aufwand
aufgesucht werden (zwei Campgäste hatten deshalb erhebliche Probleme)!
Ausbildung:
Nach PADI bis zum Divemaster zu normalen Preisen (z.B.
OWD 250 €).
Bootstauchgänge: Zu den Außenriffen (Elphinstone Reef) sind möglich, jedoch ist
hierfür eine bestimmte Gruppengröße erforderlich und die zusätzlichen Kosten
sind nicht unerheblich.
Anreise: Flüge aus Deutschland kosten nach Marsa Alam ab 60€,
normal sind günstigstenfalls aber eher 150 - 200€, der Flughafen liegt etwa 40
Kilometer nördlich vom Camp. Ein Transfer sollte möglichst bei der Buchung
vereinbart werden!
Kontakt / Buchung / weitere Infos: www.beachsafari.de