
Häufig muss man weite Bootsfahrten, große Tiefen, hohe Kosten und harte Bedingungen akzeptieren, will man an beeindruckenden Wracks tauchen. Natürlich findet man alte Wracks, reich an Details und gut erhalten selten in der direkten Nähe von größeren Städten, oder an Plätzen die man ohne Boot erreichen kann - auch wenn man dies ebenfalls nicht unbedingt von den "Town-wrecks" direkt in Kristiansand behaupten kann, wurden unsere Erwartungen doch weit übertroffen!
Die beiden Wracks liegen dort schon fast aufeinander,
direkt an den Klippen und in nur drei bis knapp zwanzig Metern Tiefe.
Während das zerstörte Wrack eines deutschen Rettungsflugzeugs vom Typ Do-24,
ebenfalls leicht von der Küste aus erreichbar, einen hohen Bekanntheitsgrad
genießt, so verbringen viele Taucher ihren Urlaub im Umfeld von Kristiansand ohne diese beiden
gesunkenen Schiffe zu besuchen. Ganz klar verpasst jeder, der hier nicht taucht
ein Highlight der Region!
Erstaunlicherweise findet man kaum Informationen
über die beiden Schiffe. Dies liegt wohl eher daran das niemand sich bisher die
Mühe gemacht hat nachzuforschen, als das es schwierig sein dürfte mehr über den
etwa 50 Meter langen Hecktrawler Kjelløy T.97.T
und den direkt daneben liegenden Schlepper Bjarte, welcher etwa 25 Meter lang sein dürfte, zu finden.
Der Bewuchs hält sich sehr in Grenzen, die Wracks sind noch sehr gut erhalten
und sogar die Namen beider Schiffe sind noch gut zu lesen. Sie müssen wohl um
1980 direkt nebeneinander verankert gesunken sein. Sicherlich wurden sie an
diesem Platz nicht absichtlich versenkt. Wir haben Werftarbeiter in der Nähe
gefragt, ob sie mehr über die Wracks wüssten, konnten jedoch nicht mehr
erfahren.
Die Wracks sind nicht ganz leicht zu finden. Obwohl wir
eine Wegbeschreibung hatten und zuvor auch Luftaufnahmen von der Wrackposition
gesehen hatten, bereitete es uns zunächst einige Schwierigkeiten einen Weg zum
Einstieg zu finden. Durch Bauarbeiten für ein großes Stadion und ein neues
Industriegebiet hatte sich vieles verändert und zunächst befürchteten wir das es
keinen befahrbaren Weg mehr zum Einstieg gibt. Der Schotterweg, welchen wir
schließlich fanden, ist auch nicht gerade als großzügig ausgebaut zu bezeichnen.
Er verläuft neben einem schmalen Wasserlauf, zwischen dem Gelände eines Verleihs
für schwere Industriefahrzeuge und einer Bootshalle.
Der schmale Weg bietet
keine Wendemöglichkeit und endet vor einer überquerenden Rohrleitung. Hier muss
man über die großen, kantigen Felsbrocken einen Einstieg in das Wasser finden.
Dieser Einstieg ist sicherlich nur für Taucher mit gewisser körperlicher Fitness
geeignet, eine bessere Möglichkeit konnten wir jedoch nicht finden.
Erst
einmal im Wasser kann man direkt abtauchen, oder zunächst an der Oberfläche die
wenigen Züge zur Markierungsboje schwimmen. Taucht man an dieser Boje ab, so
trifft man nicht einmal zehn Meter darunter auf die Backbordseite des Trawlers
mittschiffs, kurz vor der Brücke und auf Höhe der Laderäume. Von hier sollte man
zunächst zum Heck schwimmen, wo man allerhand Tampen, Netzteile und Trümmer
findet. Die typische Hecktrawlerrampe umschwimmend gelangt man zum Ruder und dem
Propeller. Von hier kann man bei guter Sicht auch den Rumpf des Schleppers
sehen. Die Tiefe beträgt hier etwa 16 bis 18 Meter.
Von hier kann man
zunächst zurück am Deck des Trawlers in Richtung Bug schwimmen. Man kann die Brücke
erkunden und die Laderäume betauchen. Es gibt einige Details zu entdecken,
jedoch natürlich keine interessanten Souvenirs zu finden. Auch bieten sich hier
viele spannende Fotomotive. Als wir hier tauchten betrug die Sichtweite etwa
zehn bis fünfzehn Meter, leider eingetrübt durch ein Schicht Süßwasser an der
Oberfläche. Der einmündende kleine Kanal und ein Abwasserrohr tragen leider
nicht gerade dazu bei an den Wracks für erstklassige Sichtweiten zu sorgen. Die
beste Sicht dürfte man vermutlich im Winter bei niedrigen Temperaturen haben,
dann wenn nur wenig Süßwasser eingetragen wird. Nach der Schneeschmelze wird sie
vermutlich am schlechtesten sein.
An der Bugreling angelangt beträgt die
Tiefe lediglich noch knappe zehn Meter und hier kann man am Rumpf noch den
Schiffsnamen und die Kennung lesen. Kurz darunter trifft man auf den
Achtersteven des Schleppers. Hier kann man den Namen ebenfalls am Heck lesen.
Auf dem flachen Achterdeck befindet sich eine große Trommel mit Stahlseil und
weiteres Schleppgeschirr, ein weiterer Anhaltspunkt für den ungewollten
Untergang der Schiffe. Das Ruderhaus liegt, typisch für einen Schlepper, weit
vorne und der Steven ragt an den Felsen hoch. Nur wenige Meter von der Küste
befindet man sich über dem Bug in nur noch drei Metern Wassertiefe.
Wie schon beschrieben finden sich nur vereinzelt Seenelken
und Weichkorallen und auch der Fischreichtum ist nicht besonders groß. Wir
konnten lediglich einige gefleckte Lippfische und Pollacks beobachten.
Die
Wracks sind unbedingt einen Besuch wert und man sollte hier zwei Tauchgänge
einplanen. Aufgrund der geringen Tiefe kann man auch mit normaler Luft lange
Grundzeiten genießen. Zudem ist keine große Planung notwendig und man benötigt
kein Boot, Gründe genug also die "Town-wrecks" in Kristiansand fest einzuplanen
wenn man sich in der Region befindet!
N 58.09,300 E 008.01,950. Markiert mit einem weißen Kanister (Stand 2007)





Von oben nach unten: Der
Hecktrawler Kjelløy.
Links der Name am Bug, rechts Sten an der Brücke.
Am Trawler mittschiffs und
am Heck.
Heckrampe des Trawlers mit etlichen Tampen und rechts Sten über der
Brücke des Schleppers Bjarte.
Der Name des kleinen Schleppers am Heck und
eine Trommel mit Stahlseil auf dem Achterdeck.
Noch einmal der Bug des
Trawlers und rechts der Bug des Schleppers.